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Greifenberg
Gemeinde Greifenberg
Heinrich Eberl (1966)
Heribert Hübsch (1981) |
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Vorgeschichte

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Greifenberg
liegt an der BAB 96 München-Lindau, 40 km von
München, 18 km
von Landsberg und eine halbe Stunde vom westlichen
Ammerseeufer entfernt.
Diese Bundesstraße, die Staatsstraße von Dießen, die
Kreisstraße nach
Türkenfeld und die Bahnlinie Augsburg-Weilheim vermitteln
der Gemeinde
eine gute Verkehrslage. Zur Gemeinde gehören die Orte
Greifenberg mit
Valloch und Theresienbad, Neugreifenberg, Painhofen und seit
dem 1. 5. 1978
auch der Ort Beuern. Die Landschaft ist geprägt durch
letzteiszeitlichen
Geschiebelehm und das Windachtal, dessen Hänge schöne
Aufschlüsse bis
zum Flinzmergel zeigen. Die Höhen bieten eine herrliche
Aussicht über
die Hügellandschaft unserer Heimat bis zu den Bergriesen des
Wetterstein-
und Karwendelgebirges. Reizvoll ist der Blick auf Oberschondorf
und eine
Wanderung durch das unberührte Windachtal mit seinen zahllosen
Flußschleifen,
Altwasserarmen und Auwäldern. Weite Mischwälder,
besonders schön der
Weingarten, umsäumen die Felder und Wiesen und
geben der Flur das Gepräge.
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Ortsadel
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Die
Frühgeschichte der Gemeinde liegt im dunkeln. Doch lassen Bodenfunde,
Bodendenkmäler und Ortsnamen der nahen Umgebung darauf schließen, daß
auch die Greifenberger Flur schon in der Frühzeit besiedelt war. So
finden wir im nahen Weingarten 14 Hügelgräber aus der Hallstattzeit, in
denen vor rund 2500 Jahren Menschen ihre letzte Ruhestätte fanden. Bis
500 v. Chr. mögen die Illyrer in unserer Heimat gelebt haben. Dann wurden
sie von den Kelten in die Alpentäler und nach Osten abgedrängt.
Zahlreiche Münzenfunde in der Flur östlich von Greifenberg beweisen die
Anwesenheit der Römer. Als die Römer das Voralpenland räumten, rückten
die Alemannen vor 1400 Jahren in das Ammerseegebiet ein. Eine germanische
Besiedelung der Greifenberger Flur in dieser Zeit läßt sich nicht
nachweisen. Dr. Hans Blendinger nimmt an, daß Greifenberg um 800 n. Chr.
als Tochtersiedlung des Ortes Beuern entstanden ist. Die Zugehörigkeit
Greifenbergs zur Pfarrei Beuern mag diese Annahme rechtfertigen. Mit großer
Wahrscheinlichkeit läßt sich feststellen, daß die erste Siedlung in
Greifenberg aus 4 Höfen bestand. Die Salbücher der Jahre 1465 und 1515
und eine Herdstättenbeschreibung von 1814 bezeichnen diese Höfe als große
Bauernhöfe: 1. Den Stillerbauemhof an der uralten Straße durch den
Hohlweg und die Windachfurt nach Dießen; 2. den Wirtshof oder die Taferne,
das spätere Gasthaus zur Post; 3. den Hackerhof, an dessen Stelle heute
ein Stadel des Landwirtes Franz Fichtl steht; 4. den Mündlhof gegenüber
dem Schloß und der Taferne, der 1860 zertrümmert wurde. Diesen Höfen
gehörten die Breiten im Oberfeld, die Hasenbreiten, die Kreuzbreiten und
der Hockerbreitenacker. Der Name dieser angenommenen ersten Ansiedlung
ging wohl verloren, als vor über 700 Jahren die Greifen hierherkamen.
Greifenberg ist wohl eine Gründung der Grafen von Andechs, die in der
ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts Güter von der Amper bis zur Paar besaßen.
Als der letzte Graf von Andechs 1248 starb, gelangte diese Veste in den
erblichen Besitz eines ihrer Ministerialengeschlechter, in dem der
Taufname Grypho (= Gripho, Griffo, Greiff) besonders gebräuchlich war.
Der Name Greif wurde Geschlechtsname der Familie und die erblich
zugewiesene Burg »Greifenberg« genannt. Angehörige dieses Geschlechts
finden wir als Grypho de Andechs, Gripho de Greifenberg, Greif von Vindawe
und Greif von Raisting.
Als Erwerber und Gründer Greifenbergs wird Gripho de Andechs angesehen,
der in einem Fundationsbrief von 1230 zu Scheyern als Dienst- und
Lehensmann des Herzogs Otto von Meran genannt wird und den wir 1257 als
Gripho de Greifenberg wiederfinden (Mb. VIII, 301). Ebenso wird um 1230 in
den Traditionen von Schäftlarn ein Gripho de Vindaowe
genannt. In der Folgezeit treten die »Greiffen von Greifenberg« häufig
als Käufer, Verkäufer, Zeugen, Schieds- und Gewährsmannen in
zahlreichen Urkunden auf. Die Greifen werden mehrmals als Teilnehmer bei
den Turnieren in Regensburg genannt und dort als bekannte und angesehene
Ritter mit folgendem Vers begrüßt: »Von Greifenberg die Greifen, kommen
mit Singen und Pfeiffen.«
1396 nahm Hans der Greif am Kreuzzug König Sigismunds gegen die in Ungarn
eingefallenen Türken teil. Die Schlacht bei Nikopolis im walachischen
Donautiefland endete mit einer schweren Niederlage der Kreuzritter und der
siegreiche Sultan Bajesid ließ Tausende von Rittern und Mannen der
Kreuzfahrer hinrichten. Unter ihnen war auch Hans der Greif, der Letzte
seines Geschlechts. Ein Münchener Bürgerssohn, Hans Schiltberger, der
dabei war, berichtet, wie Hans der Greif bis zu seiner Enthauptung
ritterliche Haltung bewahrte: »Und da sah ich vorführen Herrn Hans von
Greiffen, selbviert an einem Seil, und er sprach: Gehabt euch wohl alle
Ritter und Knecht! Wann unser Blut jetzt vergossen wird von christlichen
Glaubens wegen, sind wir, so Gott will, Himmelskinder! Und alsbald er da
sprach, kniete er nieder und ließ sich enthaupten.«
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Schloß
Greifenberg

Schloß Greifenberg
(Stich von Wening 1700)
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Die
Veste Greifenberg kam als mütterliches Erbgut an die Schweiker von
Gundelfingen, die 1404 ihr Erbe teilten. Auf Greifenberg saß nun Georg
von Gundelfingen, der aber die Veste schon 1410 »sambt hofpau, tafern,
Schmiede, Badhaus, Hofstätte, Olgarten, der Hofmark und alles was dazugehört,
ferner seinen Hof zu Peurn mit drei weiteren Hofstätten, seinen Hof zu
Alkertshausen, 3 Höfe zu Pflaumdorf, 2 Höfe zu Emming, den Riedhof, den
Hof zu Painhofen, seinen Hof zu Gyssenbel und zu Ehingen, sein Aumühle
mit 9 Tgw. Wiesen, ferner seine 2 Dorfgerichte zu Schondorf und Ehingen für
2900 Gulden ungarisch« an Elisabeth, des Herzogs Ernst Gemahlin,
verkaufte. Deren Enkel, die Herzöge Albrecht und Wolfgang, lagen lange in
grimmiger Fehde um ihr Erbe. Erhard von Perfall wurde von Herzog Wolfgang,
der die Veste nebst anderen 1474 von seinem Bruder Albrecht erhalten
hatte, als Burgvogt eingesetzt und erhielt 1478 von diesem die Burg und
Pfleg samt allen Hofmarksgütern für 4000 fl geliehenes Geld. 1507
verkauften die herzoglichen Brüder die Hofmark Greifenberg endgültig an
ihren Hofmeister Erhard von Perfall als freies, lediges Eigen. Seit diesen
Tagen war immer ein Perfall in ununterbrochener Erbfolge Herr von
Greifenberg. 1693 betrug der Besitz des Schlosses 1652 Tgw. Angehörige
des Geschlechts der Perfall standen im Dienste des bayrischen
Herrscherhauses, waren Äbte bedeutender Klöster und kurfürstliche
Pfleger in Köln und in der Pfalz. Im Jahre 1760 brannte der südliche
Teil des Schlosses nieder.
Zum Wiederaufbau erhielt Emanuel von Perfall
vom Kurfürsten Max Josef den Salzzoll der Amperbrücke bei Eching.
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Hofmark der Perfall
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Mit ihrem Erscheinen nahmen die Greifen die ganze Hofmark in ihren Besitz.
Sie umfaßte die Orte Algertshausen, Beuern, Eching, Gißübl,
Greifenberg, Painhofen, Pflaumdorf, Ober- und Unterschondorf. Nur wenig
Grund bewirtschafteten die Greifen selbst. Das meiste Neuland gaben sie,
wie aus den Salbüchern von 1465 und 1515 ersichtlich ist, dem Murlhof und
dem Hockerbauernhof als Pachtland. Diese Bauern mit Pachtland aus
Herrengut nannte man Sedlmeier und ihre Höfe Sedlhöfe. Aus diesem
Pachtland wurde, wie tun 1440 berichtet wird, »vor Zeiten« das Anwesen für
die Richter, das im Jahre 1959 abgebrochene Rittanwesen, geschaffen. Um
das gleiche Jahr werden in Greifenberg weitere 11 kleine Sölden aufgezählt,
die »verleibt« d. h. leibeigen sind. In dieser Größe dürfte das Dorf
bis zum Ende des
15. Jahrhunderts bestanden haben. 1671 waren es bereits 36 Wohnstätten,
die sämtliche auch grundherrschaftlich zur Hofmark gehörten. Im Jahre 1809
zählte Greifenberg 42 Häuser. Der größte Hof war damals der Wirt (ein
halber Hof); es folgten die beiden Viertelhöfe »beim Hackerbauer« und
»beim Stillerbauer«; außerdem gab es 9 Achtelhöfe, 29 Sechzehntelsölden
und
1 Zweiunddreißigstelsölde. Zu dem unterhalb des Schlosses im Tal der
Windach gelegenen Ortsteil »Valloch« gehörten 10 Häuser (Nr. 21-30).
Im
Jahre 1808 wurde in Bayern die Leibeigenschaft aufgehoben und im Jahre
1849 die Abgaben an die Hofmarksherren und den Pfarrer durch den Staat
abgelöst. Dafür verlangte nun der Staat von den Bauern Grund- und
Bodenzins.
Wie
schon die Greifen, übten auch die Herren von Perfall in ihrer Hofmark die
niedere Gerichtsbarkeit aus. Dabei stand ihnen der Pfleger »zu der
purkhutt« zu Diensten. Vor
dem
Richteranwesen stand bis zum Jahre 1959 als Wahrzeichen der steinerne
Richterstuhl aus dem Jahre 1442.
Unter einer mächtigen Blutbuche im Schloßpark fand er nun einen würdigen
Platz. Vor das Hofmarksgericht kamen alle nicht lebensgefährdenden
Verletzungen und Verbrechen. Ebenso wurden dort kleine Vergehen geahndet,
Erbstreitigkeiten geregelt, Verträge geschlossen, Urkunden ausgestellt
und Verordnungen erlassen. Die Blutgerichtsbarkeit hatte der Staat, das
Landgericht Landsberg, inne. Solche Verbrecher mußten an der
Hofmarksgrenze dem Landgericht übergeben und von diesem innerhalb 48
Stunden abgeurteilt werden. Im Jahre 1849 wurde das hiesige
Patrimonialgericht aufgelöst und die Gerichtsbarkeit ging ganz auf den
Landrichter über.
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Gemeindewappen

Kriegszeiten
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1962
wurde der
Gemeinde das von Landrat Müller-Hahl geschaffene Gemeindewappen überreicht.
Es zeigt auf gespaltenem Schild vorne in Silber auf rotem Dreiberg einen
nach links schreitenden schwarzen Bären (Wappen der Perfall), hinten von
Rot und Silber dreimal wellenförmig schräggeteilt (Wappen der Greifen).
Die Wappen dieser beiden Geschlechter symbolisieren in hervorragender
Weise die Ortsgeschichte von Greifenberg. Die Gemeindefahne in Rot-Weiß-Schwarz
soll ebenfalls das Wappen zeigen.
Kriege
und Kampf haben die Gemeinde Greifenberg nicht verschont. Zahlreiche
kleine Hufeisen, die in der Flur um Greifenberg gefunden wurden, erinnern
an die Ungarnstürme und an die Schlacht auf dem Lechfeld im Jahre 955.
Im Kreuzzug gegen die Türken 1396 haben mit Hans dem Greifen auch manche
seiner Greifenberger Knechte das Leben geopfert. Während der
Streitigkeiten zwischen den bayerischen Herzogsbrüdern Albrecht und
Wolfgang wurde die Greifenberger Burg schwer mitgenommen. Im Dreißigjährigen
Krieg zogen die Schweden durch das Dorf. Nach einem Stiftsbuch von 1636
brannten die Schweden die beiden Höfe zu Gießübl nieder. Mit den
Schweden kamen auch Hunger und Pest über das Land. Im Spanischen- und Österreichischen
Erbfolgekrieg verwüsteten Osterreicher und Panduren die Gegend um den
Ammersee. 1796 zogen feindliche Franzosen durch Greifenberg. 1805 kamen
sie als Freunde Bayerns wieder, und Napoleon I. verbrachte eine Nacht im
Greifenberger Schloß. Jahrelange Truppendurchzüge und Einquartierungen
brachten die Bevölkerung an den Rand des Ruins. So biwakierten im Oktober
1805 etwa 14 000 Franzosen in Greifenberg und im Wald nördlich davon. Der
Flurname Tränkberg erinnert daran. In all diesen Kriegszeiten hat die Bevölkerung
wohl im Burgstall des Burgholzes bei Beuern, der vermutlich als Fliehburg
in der Ungarnzeit entstand, Zuflucht und Schutz gesucht. Am Krieg 1870/71
nahmen drei Greifenberger teil. Im ersten Weltkrieg starben von 45
Eingezogenen 17 den Heldentod. Der zweite Weltkrieg forderte von 86
Kriegsteilnehmern 28 Gefallene und Vermißte. Dem Andenken an die
Gefallenen gelten das Kriegergrab in Beuern, das Kriegerdenkmal im Westen
von Greifenberg und die jungen Eichen im Greifenberger Friedhof. Beide
Gedenkstätten zu Greifenberg wurden von Freiherrn Franz von Perfall
gestiftet.
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Schloßkapelle

Kapelle Herrgottsruh
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Das
kulturelle Leben der Gemeinde ist eng verbunden mit der Entwicklung der
Hofmark Greifenberg. Das hoch über dem Windachtal aufragende Schloß
befindet sich seit 1507
im Besitz der späteren Freiherrn von Perfall. Es ist ein vierflügeliger
Bau auf einem kegelförmigen Hügel, der von einem tiefen Halsgraben
umgeben ist. 1760 brannte der südliche Teil des Wohngebäudes ab und
wurde anschließend wieder aufgebaut. Hier befindet sich auch die Schloßkapelle,
die dem Hl. Georg geweiht ist. Sie enthält ein Deckengemälde mit dem
Titelheiligen, zwischen Rocailleomamenten und den Evangelistensymbolen von
gleicher Hand die täuschend ähnlich gemalte Altararchitektur. Die beiden
wertvollsten Holzfiguren sind ein Kruzifix aus dem 14. Jahrhundert und
eine spätgotische Muttergottes. Bemerkenswert sind auch die
Apostelleuchter mit den einzelnen Attributen in flotter Rokokoschnitzerei.
Der Kapellenraum wurde 1956 restauriert. Die Schloßkapelle diente der
Gemeinde bis 1959 als Gotteshaus.
Am Nordrand des Dorfes steht in einer Senke die Kapelle »Zu
Unseres Herren Ruh«, ein hübscher achtseitiger Zentralbau mit Dachreiter
und einem Anbau gegen Westen aus späterer Zeit. Sie wurde 1697
von dem damaligen Wirt Andreas Ziegler ex voto gestiftet und 1955 gut
restauriert. Der kleine barocke Hochaltar trägt die Holzfiguren des
Schmerzensmannes, seitlich St. Sebastian und St. Wendelin, reizvolle
Arbeiten von Lorenz Luidl. Die einfachen Deckenmalereien stammen von dem
Augsburger Maler Ignaz Baldauf, 1776. Unter der Empore befindet sich ein
schönes schmiedeeisernes Gitter.
Gute
Beispiele des alten heimischen Bauernhauses mit verschalten Giebeln sind
Nr. 1 (beim Kistler) und Nr. 36 (beim Schmied). Aus dem Mittelalter
stammen zwei Steinkreuze in der Greifenberger Flur, die zur Sühne für
Todschlag errichtet werden mußten. Pfarrkirche der Gemeinde war seit
jeher die Kirche zu Beuern. Nach jahrelangen Bemühungen konnte Bischof
Dr. Freundorfer gest. für Greifenberg am 15. 11. 1959 eine eigene Kirche
einweihen.
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Schulentwicklung
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Verhältnismäßig
jung ist die Geschichte der Greifenberger Schule.
Bis 1864 besuchten die
Kinder aus Greifenberg und Painhofen die Schule in Eching. In diesem Jahre
gelang es, mit Hilfe eines Schulfonds und dem Vermächtnis der Landarzt-
und Krämerswitwe Genoveva Hasinger, im Haus Nr. 45 eine Schule zu
errichten. 1886 besuchten 48 Kinder die Schule, der Schulsaal mußte
erweitert werden. Erst 1904 wurde an das Gebäude der erste
zweckentsprechende Schulsaal angebaut. 1947 wurde die Schule mit 98
Kindern erstmals zweiklassig, das Gebäude aber erst 1960/61 erweitert auf
zwei Schulsäle, die nun zum Schulverband Windach gehören. Dem 1961
geschaffenen Sportplatz südlich vom Theresienbad folgt 1970 das
Warmfreibad des Landkreises mit Tennisplatz.
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Vereine
Die 1936
erbaute
BdM-Führerinnen-Schule.
Der südliche niedere Bau
(rechte Seite) ist der Rest
des alten Theresienbades
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Das Gemeinschaftsleben in der Gemeinde wird in bedeutendem Maße von
Vereinen getragen. 1892 gründete der Lehrer und Kirchenmusiker Alban Lipp
den Männergesangverein. Zwei Schützenvereine (1810) und der 1961 gegründete
FC Greifenberg mit angegliedertem Skiclub fördern das sportliche Leben.
Die ehemaligen Soldaten sind in dem 1901 gegründeten Krieger- und
Veteranenverein zusammengeschlossen. Seit 1902 besteht in Greifenberg auch
ein Obst- und Gartenbauverein.
Einen
wesentlichen Aufschwung nahm die Gemeinde, als im Jahre 1740 die Landstraße
München-Lindau durch den Ort Greifenberg verlegt wurde. Die Taferne wurde
Gasthaus zur Post und hatte neben dem Postdienst vor allem für
Vorspanndienste am Berg zwischen Eching und Greifenberg zu sorgen. Gewerbe
und Handwerk unterstanden im Mittelalter den Hofmarksherren. So gab es in
Greifenberg folgende Ehehaftleute (Dienstangestellte): einen Bader, einen
Schmied und einen Hirten. Alte Urkunden berichten, was die einzelnen Höfe
dem Bader zu liefern hatten. Dafür
mußte der Bader und die
Baderin alle Samstage, wie es gebräuchlich war, »die paurn sambt ihren
weibern und khindern gebührendermaßen mit Bürsten, Reiben und Seiffen
baden und scheren«. Für Schröpfen, Aderlassen und Zahnreißen wurden
besondere Gebühren erhoben.

Der Landarzt Josef Hasinger von Greifenberg entdeckte 1833 in der Nähe
seines Hauses eine Mineralquelle. Er errichtete dort ein Badehaus, das von
König Ludwig I. und Königin Therese besucht wurde und durch Ministerial-Reskript
vom 30. 10. 1836 den Namen »Theresia-Heilbad« verliehen erhielt. Durch
den Bahnbau und die Errichtung der Haltestelle »Theresienbad« 1898
erfuhr das Mineralbad einen wesentlichen Aufschwung.

Der Kreistag 1951 vor
Theresienbad von links nach rechts: Müller-Hahl, Schleiferböck,
Egen, Berger, Schmelcher (Painhofen), Lober, Scharf, Kreisbaumeister
Fuchs,
Berger (Stadl), Erdt
(Windach), Mögele, Koch, Rossiwal, Keil, Dr. Gerbl,
Regierungsrat Nau.
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Jüngste
Entwicklung

Leichenhaus
Pfarrkirche
Greifenberg
von Architekt v. Pranca,
München - eingeweiht 1959
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Der Ortsteil Neugreifenberg
entstand im wesentlichen südlich der Bahnlinie und erfuhr
erst
in den Jahren 1962 und danach durch die Wohnanlage an der Kreitstraße
eine bedeutsame Erweiterung. 1909/10 erhielt Greifenberg eine
Wasserleitung, welche 1968/1969 vollkommen erneuert wurde. Die Gemeinde
ist Mitglied im Zweckverband für Wasserversorgung Ammersee-West.
Ebenfalls 1909 folgte der elektrische Strom (erst von der Aumühle, ab
1921 von den Stadtwerken Fürstenfeldbruck). 1902 und 1917 wurde die
Landstraße durch den Ort in Abschnitten verbreitert und in den zwanziger
Jahren geteert. 1939 war die Gemeinde auf 371 Einwohner angewachsen.
Das Kriegsende 1945 stellte auch Greifenberg vor schwere Aufgaben. Franz
Freiherr von Perfall lenkte bis 1947 als Bürgermeister die Geschicke der
Gemeinde, ab September 1947 Bürgermeister Georg Gall, von 1966 bis 1980
Johann Vogl und nun Heinrich Albrecht. Schon im April 1945 kamen 35 Flüchtlinge
aus Oberschlesien und am 15. 10. 1946 über 100 Heimatvertriebene aus dem
Sudetenland. 1951 lebten in der Gemeinde insgesamt 256 Flüchtlinge und
Heimatvertriebene, davon 70 im Kreisaltersheim Theresienbad. 1951 war die
Bevölkerung auf 715 angewachsen.
Die öffentlichen Einrichtungen
entsprachen nicht mehr den Bedürfnissen. 1948 wurde der Wasserspeicher
erweitert und 7956 die Wasserleitung nach Neugreifenberg gebaut. 1949/51
schuf die Gemeinde einen eigenen Friedhof und ein Leichenhaus. 1953 konnte
für die Heimatvertriebenen ein Siedlungshaus mit vier Wohnungen
eingeweiht werden; den Baugrund dazu hatte Freiherr von Perfall 1950
kostenlos zur Verfügung gestellt.

Am 15. 11. 1959 durfte die Pfarrgemeinde die Einweihung der neuen Kirche
in Greifenberg erleben, und zwei Jahre darauf, am 10. 9. 1961 konnte der
Erweiterungsbau der Volksschule seiner Bestimmung übergeben werden. Wegen
Mangel an Baugrund ging die bauliche Entwicklung der Gemeinde nach dem
Kriege nur langsam voran. Erst mit Erstellung eines Flächennutzungsplanes
1967 und der Ausweisung des Bebauungsplanes Greifenberg-West, erstmals
1969 mit 10 ha, jedoch wegen zu großer Bauparzellen nicht durchgeführt,
1972 überarbeitet mit nunmehr ca. 140 Parzellen, ist eine rege Wohnbautätigkeit
zu verzeichnen. In den Jahren 1958/59 wurde die Bundesstraße 12 neu
gebaut und im Norden von Greifenberg vorbeigeführt. Auch die
landwirtschaftlich genutzte Gemeindeflur wurde durch die Flurbereinigung
umgestaltet und den modernen landwirtschaftlichen Erfordernissen angepaßt.
Die Gemeinde Greifenberg zählte 1965 666 Einwohner.
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Schloß Greifenberg
(Freiherr von Perfall)
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Die Gemeindegebietsreform 1978 ging auch an Greifenberg nicht spurlos vorüber.
Greifenberg blieb selbständige Gemeinde und gliederte den Ortsteil Beuern
der ehemaligen Gemeinde Beuern ein und bildet gemeinsam
mit Eching und Schondorf a. A. die Verwaltungsgemeinschaft Schondorf. Die
Gemeinde Greifenberg hat seit Juli 1980 1000 Einwohner und in allen
Ortsteilen zusammen 285 Hausnummern. Seit 1967 ist Greifenberg Mitglied
des Zweckverbandes zur Abwasserbeseitigung Ammersee-West.
In den Jahren 1977 bis 1979 konnten in Greifenberg und im Ortsteil
Neugreifenberg fast alle bebauten Grundstücke an die Abwasserkanalisation
angeschlossen werden. |
| Painhofen |
Der
Weiler Painhofen besteht seit Jahrhunderten aus zwei Anwesen, den ehemals
zur Hofmark Greifenberg grundbaren dreiachtel Höfen »Heißbauer« und
»Wagner«. Die kleine Siedlung taucht um 1420 in Landsberger Urkunden als
»Painhofen« (zu Peio) zum erstenmal auf. In der baulich unbedeutenden
Kapelle steht eine kleine spätgotische Madonna. Am Haus Nr. 7 befindet
sich eine geschnitzte Haustüre aus dem Jahre 1843 von einem tüchtigen
Kistler, dem wir im mittleren Kreisgebiet noch mehrmals mit guten
Beispielen begegnen.
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