Geschichte Greifenberg


 

Greifenberg
Gemeinde Greifenberg
Heinrich Eberl (1966)
Heribert Hübsch (1981)


Vorgeschichte   

 


Greifenberg liegt an der BAB 96 München-Lindau, 40 km von München, 18 km von Landsberg und eine halbe Stunde vom westlichen Ammerseeufer entfernt. Diese Bundesstraße, die Staatsstraße von Dießen, die Kreisstraße nach Türkenfeld und die Bahnlinie Augsburg-Weilheim vermitteln der Gemeinde eine gute Verkehrslage. Zur Gemeinde gehören die Orte Greifenberg mit Valloch und Theresienbad, Neugreifenberg, Painhofen und seit dem 1. 5. 1978 auch der Ort Beuern. Die Landschaft ist geprägt durch letzteiszeitlichen Geschiebelehm und das Windachtal, dessen Hänge schöne Aufschlüsse bis zum Flinzmergel zeigen. Die Höhen bieten eine herrliche Aussicht über die Hügellandschaft unserer Heimat bis zu den Bergriesen des Wetterstein- und Karwendelgebirges. Reizvoll ist der Blick auf Oberschondorf und eine Wanderung durch das unberührte Windachtal mit seinen zahllosen Flußschleifen, Altwasserarmen und Auwäldern. Weite Mischwälder, besonders schön der Weingarten, umsäumen die Felder und Wiesen und geben der Flur das Gepräge.


 

 

 

 

 

 










Ortsadel   

 

 

 

 










Die Frühgeschichte der Gemeinde liegt im dunkeln. Doch lassen Bodenfunde,
Bodendenkmäler und Ortsnamen der nahen Umgebung darauf schließen, daß auch die Greifenberger Flur schon in der Frühzeit besiedelt war. So finden wir im nahen Weingarten 14 Hügelgräber aus der Hallstattzeit, in denen vor rund 2500 Jahren Menschen ihre letzte Ruhestätte fanden. Bis 500 v. Chr. mögen die Illyrer in unserer Heimat gelebt haben. Dann wurden sie von den Kelten in die Alpentäler und nach Osten abgedrängt. Zahlreiche Münzenfunde in der Flur östlich von Greifenberg beweisen die Anwesenheit der Römer. Als die Römer das Voralpenland räumten, rückten die Alemannen vor 1400 Jahren in das Ammerseegebiet ein. Eine germanische Besiedelung der Greifenberger Flur in dieser Zeit läßt sich nicht nachweisen. Dr. Hans Blendinger nimmt an, daß Greifenberg um 800 n. Chr. als Tochtersiedlung des Ortes Beuern entstanden ist. Die Zugehörigkeit Greifenbergs zur Pfarrei Beuern mag diese Annahme rechtfertigen. Mit großer Wahrscheinlichkeit läßt sich feststellen, daß die erste Siedlung in Greifenberg aus 4 Höfen bestand. Die Salbücher der Jahre 1465 und 1515 und eine Herdstättenbeschreibung von 1814 bezeichnen diese Höfe als große Bauernhöfe: 1. Den Stillerbauemhof an der uralten Straße durch den Hohlweg und die Windachfurt nach Dießen; 2. den Wirtshof oder die Taferne, das spätere Gasthaus zur Post; 3. den Hackerhof, an dessen Stelle heute ein Stadel des Landwirtes Franz Fichtl steht; 4. den Mündlhof gegenüber dem Schloß und der Taferne, der 1860 zertrümmert wurde. Diesen Höfen gehörten die Breiten im Oberfeld, die Hasenbreiten, die Kreuzbreiten und der Hockerbreitenacker. Der Name dieser angenommenen ersten Ansiedlung ging wohl verloren, als vor über 700 Jahren die Greifen hierherkamen.


Greifenberg ist wohl eine Gründung der Grafen von Andechs, die in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts Güter von der Amper bis zur Paar besaßen. Als der letzte Graf von Andechs 1248 starb, gelangte diese Veste in den erblichen Besitz eines ihrer Ministerialengeschlechter, in dem der Taufname Grypho (= Gripho, Griffo, Greiff) besonders gebräuchlich war. 


Der Name Greif wurde Geschlechtsname der Familie und die erblich zugewiesene Burg »Greifenberg« genannt. Angehörige dieses Geschlechts finden wir als Grypho de Andechs, Gripho de Greifenberg, Greif von Vindawe und Greif von Raisting.

Als Erwerber und Gründer Greifenbergs wird Gripho de Andechs angesehen, der in einem Fundationsbrief von 1230 zu Scheyern als Dienst- und Lehensmann des Herzogs Otto von Meran genannt wird und den wir 1257 als Gripho de Greifenberg wiederfinden (Mb. VIII, 301). Ebenso wird um 1230 in den Traditionen von Schäftlarn ein Gripho de
Vindaowe genannt. In der Folgezeit treten die »Greiffen von Greifenberg« häufig als Käufer, Verkäufer, Zeugen, Schieds- und Gewährsmannen in zahlreichen Urkunden auf. Die Greifen werden mehrmals als Teilnehmer bei den Turnieren in Regensburg genannt und dort als bekannte und angesehene Ritter mit folgendem Vers begrüßt: »Von Greifenberg die Greifen, kommen mit Singen und Pfeiffen.«

1396 nahm Hans der Greif am Kreuzzug König Sigismunds gegen die in Ungarn eingefallenen Türken teil. Die Schlacht bei Nikopolis im walachischen Donautiefland endete mit einer schweren Niederlage der Kreuzritter und der siegreiche Sultan Bajesid ließ Tausende von Rittern und Mannen der Kreuzfahrer hinrichten. Unter ihnen war auch Hans der Greif, der Letzte seines Geschlechts. Ein Münchener Bürgerssohn, Hans Schiltberger, der dabei war, berichtet, wie Hans der  Greif bis zu seiner Enthauptung ritterliche Haltung bewahrte: »Und da sah ich vorführen Herrn Hans von Greiffen, selbviert an einem Seil, und er sprach: Gehabt euch wohl alle Ritter und Knecht! Wann unser Blut jetzt vergossen wird von christlichen Glaubens wegen, sind wir, so Gott will, Himmelskinder! Und alsbald er da sprach, kniete er nieder und ließ sich enthaupten.«


Schloß Greifenberg   


Schloß Greifenberg 
(Stich von Wening 1700)

 


Die Veste Greifenberg kam als mütterliches Erbgut an die Schweiker von Gundelfingen, die 1404 ihr Erbe teilten. Auf Greifenberg saß nun Georg von Gundelfingen, der aber die Veste schon 1410 »sambt hofpau, tafern, Schmiede, Badhaus, Hofstätte, Olgarten, der Hofmark und alles was dazugehört, ferner seinen Hof zu Peurn mit drei weiteren Hofstätten, seinen Hof zu Alkertshausen, 3 Höfe zu Pflaumdorf, 2 Höfe zu Emming, den Riedhof, den Hof zu Painhofen, seinen Hof zu Gyssenbel und zu Ehingen, sein Aumühle mit 9 Tgw. Wiesen, ferner seine 2 Dorfgerichte zu Schondorf und Ehingen für 2900 Gulden ungarisch« an Elisabeth, des Herzogs Ernst Gemahlin, verkaufte. Deren Enkel, die Herzöge Albrecht und Wolfgang, lagen lange in grimmiger Fehde um ihr Erbe. Erhard von Perfall wurde von Herzog Wolfgang, der die Veste nebst anderen 1474 von seinem Bruder Albrecht erhalten hatte, als Burgvogt eingesetzt und erhielt 1478 von diesem die Burg und Pfleg samt allen Hofmarksgütern für 4000 fl geliehenes Geld. 1507 verkauften die herzoglichen Brüder die Hofmark Greifenberg endgültig an ihren Hofmeister Erhard von Perfall als freies, lediges Eigen. Seit diesen Tagen war immer ein Perfall in ununterbrochener Erbfolge Herr von Greifenberg. 1693 betrug der Besitz des Schlosses 1652 Tgw. Angehörige des Geschlechts der Perfall standen im Dienste des bayrischen Herrscherhauses, waren Äbte bedeutender Klöster und kurfürstliche Pfleger in Köln und in der Pfalz. Im Jahre 1760 brannte der südliche Teil des Schlosses nieder. 

Zum Wiederaufbau erhielt Emanuel von Perfall vom Kurfürsten Max Josef den Salzzoll der Amperbrücke bei Eching.

Hofmark der Perfall   

Mit ihrem Erscheinen nahmen die Greifen die ganze Hofmark in ihren Besitz. Sie umfaßte die Orte Algertshausen, Beuern, Eching, Gißübl, Greifenberg, Painhofen, Pflaumdorf, Ober- und Unterschondorf. Nur wenig Grund bewirtschafteten die Greifen selbst. Das meiste Neuland gaben sie, wie aus den Salbüchern von 1465 und 1515 ersichtlich ist, dem Murlhof und dem Hockerbauernhof als Pachtland. Diese Bauern mit Pachtland aus Herrengut nannte man Sedlmeier und ihre Höfe Sedlhöfe. Aus diesem Pachtland wurde, wie tun 1440 berichtet wird, »vor Zeiten« das Anwesen für die Richter, das im Jahre 1959 abgebrochene Rittanwesen, geschaffen. Um das gleiche Jahr werden in Greifenberg weitere 11 kleine Sölden aufgezählt, die »verleibt« d. h. leibeigen sind. In dieser Größe dürfte das Dorf bis zum Ende des 15. Jahrhunderts bestanden haben. 1671 waren es bereits 36 Wohnstätten, die sämtliche auch grundherrschaftlich zur Hofmark gehörten. Im Jahre 1809 zählte Greifenberg 42 Häuser. Der größte Hof war damals der Wirt (ein halber Hof); es folgten die beiden Viertelhöfe »beim Hackerbauer« und »beim Stillerbauer«; außerdem gab es 9 Achtelhöfe, 29 Sechzehntelsölden und 1 Zweiunddreißigstelsölde. Zu dem unterhalb des Schlosses im Tal der Windach gelegenen Ortsteil »Valloch« gehörten 10 Häuser (Nr. 21-30).

Im Jahre 1808 wurde in Bayern die Leibeigenschaft aufgehoben und im Jahre 1849 die Abgaben an die Hofmarksherren und den Pfarrer durch den Staat abgelöst. Dafür verlangte nun der Staat von den Bauern Grund- und Bodenzins.

Wie schon die Greifen, übten auch die Herren von Perfall in ihrer Hofmark die niedere Gerichtsbarkeit aus. Dabei stand ihnen der Pfleger »zu der purkhutt« zu Diensten. Vor
dem Richteranwesen stand bis zum Jahre 1959 als Wahrzeichen der steinerne Richterstuhl aus dem Jahre 1442. Unter einer mächtigen Blutbuche im Schloßpark fand er nun einen würdigen Platz. Vor das Hofmarksgericht kamen alle nicht lebensgefährdenden Verletzungen und Verbrechen. Ebenso wurden dort kleine Vergehen geahndet, Erbstreitigkeiten geregelt, Verträge geschlossen, Urkunden ausgestellt und Verordnungen erlassen. Die Blutgerichtsbarkeit hatte der Staat, das Landgericht Landsberg, inne. Solche Verbrecher mußten an der Hofmarksgrenze dem Landgericht übergeben und von diesem innerhalb 48 Stunden abgeurteilt werden. Im Jahre 1849 wurde das hiesige Patrimonialgericht aufgelöst und die Gerichtsbarkeit ging ganz auf den Landrichter über.  


Gemeindewappen   





Kriegszeiten   




1962 wurde der Gemeinde das von Landrat Müller-Hahl geschaffene Gemeindewappen überreicht. Es zeigt auf gespaltenem Schild vorne in Silber auf rotem Dreiberg einen nach links schreitenden schwarzen Bären (Wappen der Perfall), hinten von Rot und Silber dreimal wellenförmig schräggeteilt (Wappen der Greifen). Die Wappen dieser beiden Geschlechter symbolisieren in hervorragender Weise die Ortsgeschichte von Greifenberg. Die Gemeindefahne in Rot-Weiß-Schwarz soll ebenfalls das Wappen zeigen.





Kriege und Kampf haben die Gemeinde Greifenberg nicht verschont. Zahlreiche kleine Hufeisen, die in der Flur um Greifenberg gefunden wurden, erinnern an die Ungarnstürme und an die Schlacht auf dem Lechfeld im Jahre 955. Im Kreuzzug gegen die Türken 1396 haben mit Hans dem Greifen auch manche seiner Greifenberger Knechte das Leben geopfert. Während der Streitigkeiten zwischen den bayerischen Herzogsbrüdern Albrecht und Wolfgang wurde die Greifenberger Burg schwer mitgenommen. Im Dreißigjährigen Krieg zogen die Schweden durch das Dorf. Nach einem Stiftsbuch von 1636 brannten die Schweden die beiden Höfe zu Gießübl nieder. Mit den Schweden kamen auch Hunger und Pest über das Land. Im Spanischen- und Österreichischen Erbfolgekrieg verwüsteten Osterreicher und Panduren die Gegend um den Ammersee. 1796 zogen feindliche Franzosen durch Greifenberg. 1805 kamen sie als Freunde Bayerns wieder, und Napoleon I. verbrachte eine Nacht im Greifenberger Schloß. Jahrelange Truppendurchzüge und Einquartierungen brachten die Bevölkerung an den Rand des Ruins. So biwakierten im Oktober 1805 etwa 14 000 Franzosen in Greifenberg und im Wald nördlich davon. Der Flurname Tränkberg erinnert daran. In all diesen Kriegszeiten hat die Bevölkerung wohl im Burgstall des Burgholzes bei Beuern, der vermutlich als Fliehburg in der Ungarnzeit entstand, Zuflucht und Schutz gesucht. Am Krieg 1870/71 nahmen drei Greifenberger teil. Im ersten Weltkrieg starben von 45 Eingezogenen 17 den Heldentod. Der zweite Weltkrieg forderte von 86 Kriegsteilnehmern 28 Gefallene und Vermißte. Dem Andenken an die Gefallenen gelten das Kriegergrab in Beuern, das Kriegerdenkmal im Westen von Greifenberg und die jungen Eichen im Greifenberger Friedhof. Beide Gedenkstätten zu Greifenberg wurden von Freiherrn Franz von Perfall gestiftet.








Schloßkapelle   


Kapelle Herrgottsruh

 


Das kulturelle Leben der Gemeinde ist eng verbunden mit der Entwicklung der Hofmark Greifenberg. Das hoch über dem Windachtal aufragende Schloß befindet sich seit 1507 im Besitz der späteren Freiherrn von Perfall. Es ist ein vierflügeliger Bau auf einem kegelförmigen Hügel, der von einem tiefen Halsgraben umgeben ist. 1760 brannte der südliche Teil des Wohngebäudes ab und wurde anschließend wieder aufgebaut. Hier befindet sich auch die Schloßkapelle, die dem Hl. Georg geweiht ist. Sie enthält ein Deckengemälde mit dem Titelheiligen, zwischen Rocailleomamenten und den Evangelistensymbolen von gleicher Hand die täuschend ähnlich gemalte Altararchitektur. Die beiden wertvollsten Holzfiguren sind ein Kruzifix aus dem 14. Jahrhundert und eine spätgotische Muttergottes. Bemerkenswert sind auch die Apostelleuchter mit den einzelnen Attributen in flotter Rokokoschnitzerei. Der Kapellenraum wurde 1956 restauriert. Die Schloßkapelle diente der Gemeinde bis 1959 als Gotteshaus.
Am Nordrand des Dorfes steht in einer Senke die Kapelle »Zu Unseres Herren Ruh«, ein hübscher achtseitiger Zentralbau mit Dachreiter und einem Anbau gegen Westen aus späterer Zeit. Sie wurde 1697 von dem damaligen Wirt Andreas Ziegler ex voto gestiftet und 1955 gut restauriert. Der kleine barocke Hochaltar trägt die Holzfiguren des Schmerzensmannes, seitlich St. Sebastian und St. Wendelin, reizvolle Arbeiten von Lorenz Luidl. Die einfachen Deckenmalereien stammen von dem Augsburger Maler Ignaz Baldauf, 1776. Unter der Empore befindet sich ein schönes schmiedeeisernes Gitter.

Gute Beispiele des alten heimischen Bauernhauses mit verschalten Giebeln sind Nr. 1 (beim Kistler) und Nr. 36 (beim Schmied). Aus dem Mittelalter stammen zwei Steinkreuze in der Greifenberger Flur, die zur Sühne für Todschlag errichtet werden mußten. Pfarrkirche der Gemeinde war seit jeher die Kirche zu Beuern. Nach jahrelangen Bemühungen konnte Bischof Dr. Freundorfer gest. für Greifenberg am 15. 11. 1959 eine eigene Kirche einweihen.

Schulentwicklung   

Verhältnismäßig jung ist die Geschichte der Greifenberger Schule. 
Bis 1864 besuchten die Kinder aus Greifenberg und Painhofen die Schule in Eching. In diesem Jahre gelang es, mit Hilfe eines Schulfonds und dem Vermächtnis der Landarzt- und Krämerswitwe Genoveva Hasinger, im Haus Nr. 45 eine Schule zu errichten. 1886 besuchten 48 Kinder die Schule, der Schulsaal mußte erweitert werden. Erst 1904 wurde an das Gebäude der erste zweckentsprechende Schulsaal angebaut. 1947 wurde die Schule mit 98 Kindern erstmals zweiklassig, das Gebäude aber erst 1960/61 erweitert auf zwei Schulsäle, die nun zum Schulverband Windach gehören. Dem 1961 geschaffenen Sportplatz südlich vom Theresienbad folgt 1970 das Warmfreibad des Landkreises mit Tennisplatz.

Vereine   

 

 

 








Die 1936 erbaute 
BdM-Führerinnen-Schule.
Der südliche niedere Bau 
(rechte Seite) ist der Rest
 des alten Theresienbades

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Gemeinschaftsleben in der Gemeinde wird in bedeutendem Maße von Vereinen getragen. 1892 gründete der Lehrer und Kirchenmusiker Alban Lipp den Männergesangverein. Zwei Schützenvereine (1810) und der 1961 gegründete FC Greifenberg mit angegliedertem Skiclub fördern das sportliche Leben. Die ehemaligen Soldaten sind in dem 1901 gegründeten Krieger- und Veteranenverein zusammengeschlossen. Seit 1902 besteht in Greifenberg auch ein Obst- und Gartenbauverein.

Einen wesentlichen Aufschwung nahm die Gemeinde, als im Jahre 1740 die Landstraße München-Lindau durch den Ort Greifenberg verlegt wurde. Die Taferne wurde Gasthaus zur Post und hatte neben dem Postdienst vor allem für Vorspanndienste am Berg zwischen Eching und Greifenberg zu sorgen. Gewerbe und Handwerk unterstanden im Mittelalter den Hofmarksherren. So gab es in Greifenberg folgende Ehehaftleute (Dienstangestellte): einen Bader, einen Schmied und einen Hirten. Alte Urkunden berichten, was die einzelnen Höfe dem Bader zu liefern hatten. Dafür mußte der Bader und die Baderin alle Samstage, wie es gebräuchlich war, »die paurn sambt ihren weibern und khindern gebührendermaßen mit Bürsten, Reiben und Seiffen baden und scheren«. Für Schröpfen, Aderlassen und Zahnreißen wurden besondere Gebühren erhoben.


                                             


Der Landarzt Josef Hasinger von Greifenberg entdeckte 1833 in der Nähe seines Hauses eine Mineralquelle. Er errichtete dort ein Badehaus, das von König Ludwig I. und Königin Therese besucht wurde und durch Ministerial-Reskript vom 30. 10. 1836 den Namen »Theresia-Heilbad« verliehen erhielt. Durch den Bahnbau und die Errichtung der Haltestelle »Theresienbad« 1898 erfuhr das Mineralbad einen wesentlichen Aufschwung.


                    
        Der Kreistag 1951 vor Theresienbad von links nach rechts: Müller-Hahl, Schleiferböck,
                    Egen, Berger, Schmelcher (Painhofen), Lober, Scharf, Kreisbaumeister Fuchs, 
           Berger (Stadl), Erdt (Windach), Mögele, Koch, Rossiwal, Keil, Dr. Gerbl, Regierungsrat Nau.


Jüngste Entwicklung   

 




 


Leichenhaus

 

Pfarrkirche Greifenberg
von Architekt v. Pranca,
München - eingeweiht 1959

 

Der Ortsteil Neugreifenberg entstand im wesentlichen südlich der Bahnlinie und erfuhr erst in den Jahren 1962 und danach durch die Wohnanlage an der Kreitstraße eine bedeutsame Erweiterung. 1909/10 erhielt Greifenberg eine Wasserleitung, welche 1968/1969 vollkommen erneuert wurde. Die Gemeinde ist Mitglied im Zweckverband für Wasserversorgung Ammersee-West. Ebenfalls 1909 folgte der elektrische Strom (erst von der Aumühle, ab 1921 von den Stadtwerken Fürstenfeldbruck). 1902 und 1917 wurde die Landstraße durch den Ort in Abschnitten verbreitert und in den zwanziger Jahren geteert. 1939 war die Gemeinde auf  371 Einwohner angewachsen. Das Kriegsende 1945 stellte auch Greifenberg vor schwere Aufgaben. Franz Freiherr von Perfall lenkte bis 1947 als Bürgermeister die Geschicke der Gemeinde, ab September 1947 Bürgermeister Georg Gall, von 1966 bis 1980 Johann Vogl und nun Heinrich Albrecht. Schon im April 1945 kamen 35 Flüchtlinge aus Oberschlesien und am 15. 10. 1946 über 100 Heimatvertriebene aus dem Sudetenland. 1951 lebten in der Gemeinde insgesamt 256 Flüchtlinge und Heimatvertriebene, davon 70 im Kreisaltersheim Theresienbad. 1951 war die Bevölkerung auf  715 angewachsen.

 Die öffentlichen Einrichtungen entsprachen nicht mehr den Bedürfnissen. 1948 wurde der Wasserspeicher erweitert und 7956 die Wasserleitung nach Neugreifenberg gebaut. 1949/51 schuf die Gemeinde einen eigenen Friedhof und ein Leichenhaus. 1953 konnte für die Heimatvertriebenen ein Siedlungshaus mit vier Wohnungen eingeweiht werden; den Baugrund dazu hatte Freiherr von Perfall 1950 kostenlos zur Verfügung gestellt.




                                           


Am 15. 11. 1959 durfte die Pfarrgemeinde die Einweihung der neuen Kirche in Greifenberg erleben, und zwei Jahre darauf, am 10. 9. 1961 konnte der Erweiterungsbau der Volksschule seiner Bestimmung übergeben werden. Wegen Mangel an Baugrund ging die bauliche Entwicklung der Gemeinde nach dem Kriege nur langsam voran. Erst mit Erstellung eines Flächennutzungsplanes 1967 und der Ausweisung des Bebauungsplanes Greifenberg-West, erstmals 1969 mit 10 ha, jedoch wegen zu großer Bauparzellen nicht durchgeführt, 1972 überarbeitet mit nunmehr ca. 140 Parzellen, ist eine rege Wohnbautätigkeit zu verzeichnen. In den Jahren 1958/59 wurde die Bundesstraße 12 neu gebaut und im Norden von Greifenberg vorbeigeführt. Auch die landwirtschaftlich genutzte Gemeindeflur wurde durch die Flurbereinigung umgestaltet und den modernen landwirtschaftlichen Erfordernissen angepaßt. Die Gemeinde Greifenberg zählte 1965 666 Einwohner.

 

Schloß Greifenberg
(Freiherr von Perfall)

                                                            
Die Gemeindegebietsreform 1978 ging auch an Greifenberg nicht spurlos vorüber. Greifenberg blieb selbständige Gemeinde und gliederte den Ortsteil Beuern der ehemaligen Gemeinde Beuern ein und bildet gemeinsam mit Eching und Schondorf a. A. die Verwaltungsgemeinschaft Schondorf. Die Gemeinde Greifenberg hat seit Juli 1980 1000 Einwohner und in allen Ortsteilen zusammen 285 Hausnummern. Seit 1967 ist Greifenberg Mitglied des Zweckverbandes zur Abwasserbeseitigung Ammersee-West.

In den Jahren 1977 bis 1979 konnten in Greifenberg und im Ortsteil Neugreifenberg fast alle bebauten Grundstücke an die Abwasserkanalisation angeschlossen werden.
Painhofen    Der Weiler Painhofen besteht seit Jahrhunderten aus zwei Anwesen, den ehemals zur Hofmark Greifenberg grundbaren dreiachtel Höfen »Heißbauer« und »Wagner«. Die kleine Siedlung taucht um 1420 in Landsberger Urkunden als »Painhofen« (zu Peio) zum erstenmal auf. In der baulich unbedeutenden Kapelle steht eine kleine spätgotische Madonna. Am Haus Nr. 7 befindet sich eine geschnitzte Haustüre aus dem Jahre 1843 von einem tüchtigen Kistler, dem wir im mittleren Kreisgebiet noch mehrmals mit guten Beispielen begegnen.